SARS-CoV-2 aka coronavirus – ein Anti-Panik-Beitrag

Seit geraumer Zeit rückt uns der neueste Schrei der Natur auf die Pelle. Ein neues Virus und soooo viel tödlicher als das gemeine Grippevirus. “[…]eine zehnmal so hohe Sterberate wie bei der Grippe.” schreibt der Ressortleiter Wissen bei der SZ, Herr Illinger. Man liest schon eine gewisse Skepsis aus dieser Einleitung, aber dazu später mehr.

Im Prinzip ist die gegenwärtige Coronavirus-Pandemie nichts Neues, sind wir doch jedes Jahr im Winter mit Millionen Infektionen diverser Viren konfrontiert,  die meist nur harmlose  Atemwegsinfektionen auslösen, eine sogenannte Erkältung. Nennen wir sie mal beim Namen:

Rhino-, Entero- und Mastadenoviren oder Viren der Familien der Corona und Paramyxoviridae.

Wir haben also permanent irgendwelche Pandemien am Laufen (nicht zu vergessen die echte Grippe oder auch Influenza), nur aus irgendeinem ominösen Grund geht das regelmäßig unter. Gut, ich will jetzt mit dieser Erkenntnis keine Panik auslösen, sondern nur die Paradoxie des Ganzen mal offenlegen. Zurück zu den Viren.

Was manche Viren so gefährlich machen kann ist ihre Wandlungsfähigkeit.  Das liegt in der Natur dieser interessanten Partikel (ja, für mich sind Viren keine Lebewesen. Warum, lest bitte hier.), insbesondere RNA-Viren (wie die besagten Coronaviren), tun nichts anderes, als sich in unterschiedlicher Häufigkeit zu verändern. Genauer gesagt: die Gesamtheit ihrer Gene, das sogenannte Genom, wird in seiner Abfolge zufällig verändert, das Virus mutiert also und es entstehen neue Varianten dieses einen Virus. Durchaus auch mal eine gefährlichere Variante als der Vorgänger.

Nun steigt also die Nervosität jeden Tag weiter an, weil ein in China neu aufgetretenes Virus mit dem melodischen Namen SARS-CoV-2 (kurz für Severe Acute Respitory Syndrome-Coronavirus-2), seit Dezember letzten Jahres sein Unwesen treibt. Die durch diese Infektion ausgelöste Krankheit der oberen Atemwege wurde COVID-19 getauft, was für Corona virus disease 2019 steht. Diese Namensgebung  hat den Hintergrund, dass man keine Gebietsbezeichnung mehr nutzen wollte, wie damals beim MERS (Middle East Respitory Syndrome)-Ausbruch 2012, um Diskriminierungen und Stigmatisierungen einzelner Bevölkerungsgruppen zu verhindern. Leider ging auch das etwas in die Hose (was wiederum in der Natur des Menschen liegt), da ich selber aus meinem asiatischen Bekanntenkreis leider von einigen Diskriminierungen hören musste. Von den schlimmen Unruhen in einem ukrainischen Dorf ganz zu schweigen.

Mir scheint es also, als würde die Anzahl an Artikeln in den Medien mit jedem neuen Infizierten zunehmen und diese Vielzahl an Artikeln leider zu häufig zu nicht besonnenen Reaktionen führen. Wie in besagtem ukrainischen Dorf.

Obwohl doch die meisten Mainstream-Blätter sehr sachlich und unaufgeregt über das Virus berichten, machen unsere “Social Media” und Ihre Eigenschaft der Multiplizierung geistigen Dünnpfiffs alles wieder zunichte. Da hat mein Lieblingsartikel aus der NYT

How Bad Will the Coronavirus Outbreak Get?

leider keine Chance. Diese Flut an Fehlinformationen und die schiere Menge an korrekten Informationen führen regelrecht zu einer Infodemie, einem von der WHO eingeführten Begriff. Analog zu einer Pandemie werden Informationen und Fehlinformationen auf der ganzen Welt in beispielloser Geschwindigkeit verbreitet und lösen nichts anderes aus als Panik, schüren Rassismus oder führen sogar zu sozialen Unruhen und Aufständen (siehe arabischer Frühling).

Warum schreibe ich also trotzdem den wahrscheinlich 5 000 000. Artikel über diesen Virus? Weil ich finde, dass dieser Infodemie Einhalt geboten werden muss. Auch erreichen mich immer mehr Anrufe von besorgten Freunden und die ersten Hamsterkäufe in ALDIs in meiner Region fanden auch schon statt. Langsam aber sicher wird noch mehr Panik entstehen, mit sehr ungutem Ausgang für uns alle. Und das darf nicht sein.

Daher ist es mein Ziel mit diesem Artikel  die Quintessenz der tausenden Mainstream- und Fach-Artikel “kurz” und prägnant zusammenfassen, um vor allem eines zu erreichen: mitzuhelfen eine absolut unnötige Panik zu verhindern.

Wichtig: ich habe wochenlang nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und Fakten zusammengetragen.

Dennoch:

ich habe nicht die Wahrheit gepachtet und auch ich bin auf die Infos angewiesen, die man so finden kann. Würzen konnte ich das allerdings mit meinem eigenen Fachwissen als Infektionsbiologe und dem Fachwissen einiger Kollegen und der erhältlichen Fachliteratur, dennoch übernehme ich keine Garantie für etwaige aus diesem Artikel abgeleitete Verhaltensweisen!

Wichtige Infos sind mit Quellen belegt, weitere Fakten sind ergooglebar und bekannt. Daher nicht mit Links belegt.

Fangen wir also endlich einmal an:

SARS-CoV-2? Was`n das?

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Den Namen kennt wohl momentan jeder, aber so in etwa sieht das Ding schematisch aus.  Ein relativ rundliches, sehr kleines Partikelchen mit einem Durchmesser von 60 – 140 Nanometer. Zur Erinnerung: ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter!  Wer mehr über die Biologie wissen will, kann mit mir fachsimpeln oder einfach googlen bzw. Wikipedia mal befragen.

Für diejenigen, die Schemata doof finden, hier ein paar Real Life-Aufnahmen.

Woher kommt dieses Virus?

Fakt ist: es handelt sich dabei um eine Zoonose, also eine vom Tier auf den Menschen übergegangene Infektionskrankheit, welche ihren Ursprung auf einem Markt in Wuhan/China hat. Natürlich ist dieser Markt mittlerweile geschlossen worden.

Natürlich läuft die Suche nach der Herkunft auf Hochtouren und es  wurde und wird ganz viel geforscht und spekuliert. Im Prinzip war so ziemlich alles schon der Ursprung: Fledermäuse, Gürteltiere, Hühner, Schweine, Schlangen und sogar ein Labor in Wuhan. Momentan scheint wieder die Fledermaus zu führen.

Wie viele Leute hat es bisher schon erwischt?

Laut WHO: 78961 Infizierte und 2791 Tote in China und 4691 Infizierten mit 67 Toten im Rest der Welt (Stand 28.02.20)1. Wer es visuell mag, der kann hier eine sehr schöne Karte einsehen.

Somit haben wir eine Mortalitätsrate von 3,5 % für China, sprich 3,5% aller Infizierten sterben dort. Wohingegen nur 1,4% der Infizierten in anderen Ländern sterben. Ein interessanter Fakt, den es zu erforschen gilt.

Im Vergleich die saisonale Grippe, auch Influenza2 genannt:

182 000 Infizierte und 954 Tote, sprich eine Mortalitätsrate von 0,5 %. In den USA erkranken gar schätzungsweise 3 – 11 % der Gesamtbevölkerung an Influenza!3

Auch im Vergleich mit seinen berühmten Cousins SARS und MERS schneidet SARS-CoV-2 sehr viel schlechter ab.

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Die Dunkelziffer an mit SARS-CoV-2-Infizierten liegt sehr wahrscheinlich sehr viel höher, was wiederum die Mortalitätsrate nach unten drücken würde, dennoch sieht man an den gemeldeten Zahlen, dass dieser Virus außerhalb China`s nicht so ernste klinische Verläufe annimmt und nur etwa doppelt so gefährlich zu sein scheint, wie das Influenzavirus mit all seinen Subtypen. Daher auch meine Skepsis bezüglich des eingangs erwähnten Zeitungsartikels.

Welcher Altersgruppe gehörten die bisherigen Opfer an?

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Typisch für jede Infektionskrankheit: es trifft oftmals immunsupprimierte Menschen, sprich Menschen mit beeinträchtigtem Immunsystem oder halt leider Gottes unsere Omas und Opas (da auch natürlich immunsupprimiert). Und das ist beim SARS-CoV-2 nicht anders. Es ist vielmehr sogar so, dass Kinder von 0-9 Jahren irgendwie immun zu sein scheinen. Infektionen sind zwar möglich, sie verlaufen jedoch absolut immer mild bis gar nicht bemerkbar. Daher brauchen wir uns um unsere Kinder nicht zu sorgen.

Wie ansteckend ist das Virus?

Dazu mal hier eine coole, von Epidemiologen erstellte Grafik:

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Was man hier sieht, ist ganz einfach zu erklären:

Die Masern (measles im Englischen) sind hoch-ansteckend, ein Patient oder Träger des Virus (der gelbe Punkt in der Mitte) steckt 12 –18 gesunde Menschen an. Wohingegen unser SARS-CoV-2 ca. 2-3 Menschen ansteckt. Das ganze passiert dann über die Luft, durch eine sogenannte Tröpfcheninfektion. Ich denke, der Name spricht für sich selbst.

P.S.: leider ist dem Ersteller dieser Grafik ein Fehler unterlaufen und der Virus wird COVID-19 genannt, was ja der Name der Krankheit ist. Shit happens. Trotzdem coole Grafik.

Wie lange überlebt das Virus im Freien, also auf Oberflächen?

Das wurde natürlich auch schon untersucht, allerdings an verwandten Viren, namentlich den Auslösern von SARS und MERS. Die Quintessenz eines im sehr interessanten und im The Journal of Hospital Infection veröffentlichten Fachartikels (übrigens kommen die Forscherinnen und Forscher aus Bochum und Greifswald) lautet wie folgt:

“Human coronaviruses can remain infectious on inanimate surfaces at room temperature for up to 9 days. At a temperature of 30°C [86°F] or more, the duration of persistence is shorter. Veterinary coronaviruses have been shown to persist even longer for 28 d[ays].”

Also bis zu 9 Tagen bei Raumtemperatur auf Oberflächen wie Tischen und Co.

Gibt es schon eine Behandlung bzw. Medikamente?

Noch nicht, aber es sind einige vielversprechende klinische Studien am Laufen, u.a. mit einer Kombinationstherapie zweier bekannter Medikamente. Auch arbeiten sehr viele Firmen aus dem Bereich der Diagnostik (u.a. auch mein geliebter Arbeitgeber!) an Schnelltests, sowie ein paar Pharmafirmen an einer Impfung, die ca. in einem Jahr auf dem Markt sein könnte.

Und schlussendlich noch das Wichtigste: wie verhindert man eine Ansteckung? Helfen Masken?

Ganz easy (und gilt eigentlich immer!)

1. Hände waschen

2. Weniger Körperkontakt (vor allem mit Kranken)

3. Richtig Niesen und Husten. Und das geht so: entweder in die Armbeuge husten/niesen oder in ein Taschentuch und dieses sofort entsorgen. Sich in die Hand zu husten oder zu niesen ist einfach nur absurd und ein idealer Übertragungsweg.

4. Menschenansammlungen meiden (wenn möglich)

5. Masken helfen, aber nur sogenannte FFP3-Masken.

Wer all das gelesen hat und nun 1 und 1 zusammenzählt, dem müssten zwei Dinge auffallen:

Erstens: Basierend auf den Fakten ist Panik absolut NICHT nötig und/oder

Zweitens: es müsste eigentlich dauerhaft eine Panik herrschen bei all den Viren und Krankheiten, die uns jedes Jahr heimsuchen. Findet den Fehler.

So, ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel etwas Licht ins Dunkel bringen konnte. Wenn nicht: let`s discuss.

Quellen (alle weiteren im Text verlinkt):

1 Coronavirus disease 2019 (COVID-19) Situation Report – Februar 28

2 Saisonbericht der AG Influenza des Robert-Koch-Instituts 2018/2019)

Key Facts about Influenza

Social Bots oder wie Wahlen beeinflusst werden können

Diese Studie ist wirklich erschreckend. Eine aktuelle Studie (http://firstmonday.org/ojs/index.php/fm/article/view/7090/5653) von Wissenschaftlern um Alessandro Bessi und Emilio Ferrara des „Information Sciences Institute“ der University of Southern California konnte zeigen, dass einen Tag vor der heutigen US-Wahl 400000 sogenannte „Social Bots“ auf Twitter Beiträge posten und mit Usern debattieren. Diese „Bots“ sind nichts anderes als Computerprogramme, die automatisiert Antworten generieren und mit Hilfe von echt wirkenden Profilen verbreiten.

Schlimmer noch: diese Beiträge wurden mit der gleichen Häufigkeit re-tweetet, wie Tweets echter Profile, was ein Indiz dafür ist, dass diese „Bots“ kaum als solche wahrgenommen werden. Nahezu 20 % der Beiträge über die aktuelle US-Wahl stammten dadurch von derartigen „Bots“.
Nicht nur, dass diese Programme sehr zahlreich vertreten sind, so sind sie auch sehr einflussreich. Was wirklich bezeichnend ist, schaut man sich die Tragweite von Beiträgen in den „Social Media“ an. Ereignisse wie der „Arabische Frühling“ oder „Occupy Wall Street“ konnten sehr gut die Macht der online organisierten Massen aufzeigen.
Wer allerdings diese Bots programmiert, konnte nicht ermittelt werden, ist aber meiner Meinung nach sehr trivial.

Bildquelle: http://prn.fm/information-warfare-automated-propaganda-and-social-media-bots/

Der Nobelpreis für Medizin 2016 geht an Autophagie-Forscher aus Japan

Der Nobelpreis für Medizin 2016 wird an Prof. Dr. Yoshinori Ohsumi aus Japan vergeben. Ich hatte eigentlich erwartet, dass der diesjährige Preis an Prof. Dr. Emmanulle Charpentier für die Mitentdeckung des bahnbrechenden, gentechnischen Tools CRISPR-Cas9 verliehen werden würde, aber es kam nun doch anders. Sicherlich nicht unverdient. Seine 1993 veröffentlichte, wegweisende Puplikation

„Isolation and characterization of autophagy-defective mutants of Saccharomyces cerevisiae“

Honorary Professor Yoshinori Ohsumi

in der er und sein Kollege Tsukada 15 verschiedene Gene aus der Bäckerhefe, die für den zellulären Mechanismus der Autophagie wichtig sind, in mühsamer mikroskopischer Handarbeit beschrieben,  und natürlich für viele weitere Arbeiten zum diesem Thema, erschien dem Kommitee als würdig, die größte wissenschaftliche Auszeichnung innerhalb der Medizin und Biologie an diesen Wissenschaftler zu vergeben.

Ich gratuliere von Herzen, da die Autophagie ein sehr wichtiger, zellulärer Prozess, auch im Menschen ist. Folgende Grafik verdeutlich dies sehr gut:

autophagy

Die Autophagie könnte man sehr gut mit einer Art Selbt-Verdauung, oder treffender, mit einer Art Recyclingprozess beschreiben. Hungern z.B. menschliche Zellen, sprich werden diese nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt, so werden einzelne, nicht benötigte Proteine innerhalb der Zelle abgebaut und die Aminosäuren anderen, biochemischen Prozessen innerhalb der Zelle zugeführt. Ebenso spielt die Autophagie eine Rolle beim Abbau von defekten Proteinen (oftmals durch eine Fehlfaltung der Proteine herrührend, siehe dazu Tertiärstruktur der Proteine) und somit auch eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Krankheiten, wie z.B. Krebs. Aber auch bei Infektionen spielt dieser Prozess eine sehr wichtige Rolle, wie die Arbeitsgruppe unter Führung meiner geschätzen Kollegin Frau Prof. Dr. Tassula Proikas-Cezanne (Universität Tübingen) zeigen konnte.

In dieser Arbeit, in Zusammenarbeit mit meiner alten Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Friedrich Götz (ebenfalls Universität Tübingen), konnte eindrucksvoll gezeigt werden, wie mit der Bakterienart Staphylococcus aureus infizierte Zellen, diese Bakterien in sogenannten Autophagosomen umschlossen und höchstwahrscheinlich der Zerstörung mit Hilfe von bestimmten Enzymen (sogenannten Lysozymen) zugeführt werden. Also eine Art Abwehrmechanismus unseres Körpers, zusätzlich zu Mechanismen unseres Immunsystems.

Ich denke, es wird sehr gut ersichtlich, wie wichtig die Autophagie für die Gesundheit des Menschen ist.

Bildquellen:
http://www.titech.ac.jp/english/news/2015/030266.html
http://www.tanpaku.org/autophagy/

Das alte Lied vom Rauchen

Liebe Leser,

als Ex-Raucher ist mir das Thema Zigaretten ein sehr Wichtiges. Wie der neue Raucher-Atlas des Deutschen Krebsforschungsinstituts (DKFZ) schreibt, „sterben 121.000 Menschen in Deutschland an den Folgen des Rauchens.“ Das sind 13,5% der jährlichen Todesfälle in Deutschland. Zudem wird im Norden mehr geraucht, als im Süden.

http://www.dkfz.de/de/presse/pressemitteilungen/2015/dkfz-pm-15-49-Tabakatlas-Deutschland-2015-Neue-Daten-neue-Fakten.php

Dabei ist es tatsächlich einfach aufzuhören mit dem Rauchen. Man muss nur wollen, seine Lungen nicht mehr mit über 7000 chemischen Verbindungen zu behandeln, wovon 70 dieser Verbindungen bewiesenermaßen karzinogen, sprich krebserregend, sind.

Das Rauchen ist wie ein langsamer Selbstmord, für den man auch noch bezahlt.

Zigaretten