Warum fettleibige Mäuse sich nicht bewegen

Quelle: Wikimedia

Fettleibigkeit, Fettsucht, Adipositas – drei Bezeichnungen für eine moderne Plage der Menschheit.

Laut Nationaler Verzehrstudie sind über 35 % der Menschen in Deutschland übergewichtig und circa 20 % sogar adipös (BMI ≥ 30), sprich diese Menschen leiden an einer „Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht, die durch eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes mit krankhaften Auswirkungen gekennzeichnet ist“. Gleichzeitig geht eine Adipositas mit Bewegungsarmut einher, was widerum den Teufelskreis aus Gewichtszunahme bzw. -abnahme schließt.

Nun wurden interessante Forschungsergebisse zu dieser Volkskrankheit veröffentlicht. Zwar in Mäusen, aber dennoch mit einem Nutzen für die Grundlagenforschung am Menschen.

Forscher des National Institute of Health in Bethesda (Maryland, USA) um
Alexxai Kravitz konnten eine Gewichtszunahme mit einer verminderten Bewegungsneigung in Verbindung bringen.

Fütterten die Forscher zwei Gruppen von Mäusen (gesunde vs. Mäuse mit einer Mutation in einem bestimmten Dopamin-Rezeptor) mit einer fettreichen Diät, so nahm die Aktivität des  DR2-Typ Dopamin-Rezeptors ab, wodurch sich die Mäuse weniger bewegten.

Genauso wie die DR2-mutierte Kontrollgruppe an Mäusen. Natürlich ist dies ein im Labor unter kontrollierten Bedingungen beobachtetes Ergebnis und man sollte diese Studie jetzt nicht als DEN Therapieansatz der Adipositas ansehen, da man auch nicht den Schluß ziehen sollte, dass nur das falsche Essen zur Adipositas führt. Dennoch ermöglicht diese Studie sehr interessante Einblicke in das Zusammenspiel von Ernährung und der Chemie des Gehirns, zusammengefasst in der nachfolgenden Grafik aus der Originalpunlikation.
Die Nährstoffe aus unserer Nahrung und seine Verstoffwechselung durch unsere Darmbakterien (unser intestinales Mikrobiom) spielt eine eminente Rolle, bei so ziemlich allem, was die korrekte Funktion unseres Organismus und somit unsere Gesundheit angeht. Zwar lehne ich mich mit dieser Aussage etwas weit aus dem Fenster, dennoch spricht eine stetig ansteigende Zahl an Studien dafür. Hoffentlich führen diese Studien bald zu einer besseren Therapie und somit zu einer Entlastung des Gesundheitssystems.

Blindheit – ein weiterer Schritt zur möglichen Therapie

Der Verlust des Sehsinns ist für viele eine Horrorvorstellung. So auch für mich. Keinen meiner 5 Sinne würde ich gerne verlieren wollen, aber am wenigsten meine Fähigkeit zu sehen. Dabei hat Blindheit viele Ursachen, so auch die erblich bedingte oder durch spontane Mutationen ausgelöste Retinopathia pigmentosa, einem Überbegriff für eine Vielzahl an degenerativen Erkrankungen des Auges. Dabei degenerieren die für das Sehen essentiellen Photorezeptoren in der Netzhaut und der Patient erblindet mit der Zeit. Betroffen sind in Deutschland ca. 40000 Menschen.

Wissenschaftlern um Professor Juan Carlos Izpisua Belmonte vom Salk Institutes for Biological Studies, San Diego ist es nun in einer Studie gelungen mit Hilfe der zu Recht gehypten genetischen Schere CRISPR/Cas9 den Sehverlust in jungen Ratten teilweise wiederherzustellen. Dabei konstruierten Sie einen speziellen Transfer-Virus, mit dessen Hilfe sie eine Kopie eines fehlenden Stücks des für den Sehverlusts in speziellen Laborraten verantwortlichen Gens Mertk in das Genom dieses Virus einbauten. Diese Viren wiederum wurden dann direkt in die Augen dieser Ratten injiziert, wo diese die Photorezeptoren infizierten und somit das fehlende Stück dieses Genoms einschleusten. Durch spezielle DNA-Reparaturmechanismen, die in Zellen tagtäglich ablaufen, wurden in ca. 5% der Zellen das fehlende Stück des Gens Mertk, wodurch sich die Sehfähigkeit dieser Ratten signifikant steigerte.

Beeindruckende Ergebnisse, aber nur ein weiterer von vielen Schritten hin zu einer vollständigen Wiederherstellung des Sehsinns in Patienten mit degenerativen Erkrankungen des Auges. Viele Probleme, wie z.B. die niedrige Effizienz und der anschließende Transfer dieser Technik auf den Menschen, müssen noch angegangen und gelöst werden, dennoch bin ich mir sicher, dass mit Hilfe des bakteriellen CRISPR/Cas9-Systems einige Krankheiten werden geheilt werden können.

Zur CRISPR/Cas9-Technologie bald mehr auf Scietopia.de

Was die beteiligten Wissenschaftler zu Ihrer Studie sagen, könnt ihr im folgenden Video selbst anhören.

Bild: Ausschnitt eines Mausgehirns. Zellkerne sind mit Antikörpern blau und genom-editierte Neuronen grün markiert.

Bildquelle: Salk Institute

Der neue Vogelgrippe-Virus. Grund zur Sorge?

​Aus aktuellem Anlass möchte ich hier grundlegendes zum neuen Vogelgrippe-Subtyp H5N8 vermitteln. 

Wie auf dieser Karte des Friedrich-Löffler-Instituts gut zu sehen ist (https://www.fli.de/fileadmin/FLI/Images/Tierseuchengeschehen/H5N8/2016/Map_AI_HPAI_2016-11-15_16-00.jpg)

mehren sich zwar die Fälle der an diesem Virus gestorbenen Vögel. Dennoch besteht kein Grund zur Panik. Zwar wird dieser Virus-Subtyp wohl auch ähnlich lange infektiös bleiben, wie der bekannte Subtyp H5N1 (>30 Tage bei 0 °C oder 6 Tage bei 37 °C), dennoch kann man sich sehr leicht vor einer Infektion schützen.

Grundsätzlich gilt:

1. Keine toten Wildvögel anfassen

2. Geflügel (auch wenn eine Durchseuchung unserer Lebensmittel sehr unwahrscheinlich ist) separat von anderen Lebensmitteln lagern und sehr gut durchbraten. 

3. Benutzte Küchenutensilien und die Hände mit mindestens warmem Wasser und Seife gründlich waschen. 

Influenzaviren sind und bleiben nun einmal ein Teil unseres Lebens, wie alle anderen Viren auch, doch kann mit diesen einfachen Maßnahmen und einer gesunden Portion Verstand eine Infektion, oder eine Epidemie, verhindert werden. 

Das Bild zeigt die Anfänge einer Infektion mit einem Influenza A-Virus. 

Bildquelle: http://www.cdc.gov/flu/images/influenza-virus-nolabels.jpg

Antiobiotikaresistenzen verständlich

​Ein Thema, welches mir als Infektionsbiologe sehr am Herzen liegt, weil unfassbar wichtig für die gesamte Menschheit:

Antibiotikaresistenzen. 

Darüber habe ich schon einige Male geschrieben, u.a. hier http://www.scietopia.de/?p=114, aber dieses englische Video mit dt. Untertiteln fasst die ganze Misere noch einmal visuell zusammen. 

Viel Spaß beim Schauen.
The Antibiotic Apocalypse

Warum bestimmte Nahrungsmittel zu Migräne führen können. 

Und wieder faszinierende Ergebnisse zum Einfluss unserer bakteriellen Mitbewohner (des sogenannten humanen Mikrobioms) auf unsere Gesundheit. Erst kürzlich berichtete ich von einem sehr wahrscheinlichen Zusammenhang des intestinalen Mikrobioms (sprich der bakteriellen Bewohner unsere Darms) auf die Entstehung der multiplen Sklerose. Nun gibt es ähnliche Ergebnisse zur Entstehung der Migräne. Eine fürchterlich schmerzhafte Krankheit mit unbekanntem Ursprung. Millionen Menschen leiden dabei an immer wiederkehrenden, sehr schlimmen Schmerzen in der Schläfen- und Sitrnregion, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit etc., wodurch ein normaler Tagesablauf nicht mehr möglich ist.

U.a. Entzündungsprozesse im Gehirn werden als möglicher Auslöser gehandelt und auch bestimmte Nahrungsmittel als sogenannte Trigger bzw. Auslöser einer Migräneattacke sind bekannt. All diese Nahrungsmittel haben eines gemeinsam: einen hohen Gehalt an Nitrat. 

Wie eine neue Veröffentlichung von Forschern der Universität California zeigen konnte (http://msystems.asm.org/content/1/5/e00105-16#DC1) besitzen für Migräne anfällige Patienten eine anders zusammengesetzte Mikroflora des Mundes. 

Nach der genetischen Analyse der sogenannten 16S rRNA von hunderten Speichel- und Stuhlproben konnten die Forscher einen klaren Unterschied in der Zusammensetzung des jeweiligen Mikrobioms feststellen. Nitrat-reduzierende, sprich verstoffwechselnde, Bakterienarten der Gattungen Streptococcus und Pseudomonas waren gehäuft in den Proben von Migränepatienten anzutreffen. Ein klarer Hinweis auf folgenden Zusammenhang:

metabolisieren, also verstoffwechseln, diese Bakterienarten das oral zugeführte Nitrat zu Nitrit, wird dieses wiederum zu Stickstoffmonoxid umgesetzt, was wiederum zu Gefäßerweiterungen (Vasodilatation) führen kann und dies schlußendlich zu den gefürchteten Migräneattacken. 

Wenn sich dieser Zusammenhang tatsächlich als ein Auslöser der Migräne herausstellt, könnte man mit probiotischen Ansätzen versuchen diese Bakterienarten durch nicht nitrat-umsetzende Arten zu ersätzen und die Migräneattacken verhindern. 

Sehr spannend und dieser Ansatz wird auf jeden Fall weiter verfolgt werden. Updates folgen, sollten sich hier spannende Neuigkeiten ergeben.

​Aducanumab – Hoffnung im Kampf gegen das Vergessen

Dieser kryptischer Name steht für einen sehr erfolgversprechenden mono-klonalen Antikörper zur Therapie des Morbus Alzheimer. Erste Studien in Mäusen und an Patienten konnten zeigen, dass die zeit- und dosisab-hängige Gabe von max. 10 mg(kg Körpergewicht des Antikörpers die Konzentration an den wahrscheinlich ursächlichen ß-Amyloiden senken und auch den Fortschritt der Krankheit verlangsamen konnte. Sollten die anstehenden Phase-III-Studien erfolgreich verlaufen, so werden gleich 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

1. die ß-Amyloid-Hypothese wird bestätigt und
2. steht uns endlich eine sehr vielversprechende Therapieoption zur Verfügung.

Ich drücke den beteiligten Forschern die Daumen. Für uns alle…

http://www.nature.com/nature/journal/v537/n7618/full/nature19323.html

Die Sache mit den Energy Drinks

Red BullEnergy Drinks sind kaum noch wegzudenken aus der heutigen Zeit und in Maßen konsumiert sollen sie kein Problem darstellen. So die einstimmige Meinung. Doch mehren sich die Studien, die einige Gesundheitsbedenken hervorrufen. Dass Energy Drinks in Verbindung mit Alkohol nicht das Gelbe vom Ei sind, wurde schon vor einigen Jahren gezeigt. Auch häufen sich die Studien, die die negativen Auswirkungen auf unser Herzkreislauf-System beschreiben. Nicht ganz unverständlich, wenn man sich anschaut, was in einer Dose dieser Getränke enthalten ist.  U a. 240 mg Koffein, 1- 2000 mg Taurin (einem Abbauprodukt der Aminosäuren Cystein und Methionin) und Guaraná-Extrakt. Alles aufputschende Substanzen. Wer diese neue Studie nun liest, wird vielleicht seine Meinung langsam aber sicher ändern. Zugegeben, die Testgruppe ist sehr klein (ganze 25 Probanden) und die Studie bezieht nur eine kurze Zeitspanne mit ein, dennoch finde ich die Resultate beeindruckend. Im negativen Sinne. Aber was wurde denn nun genau gemacht?

Wissenschaftler der Mayo Clinic aus Rochester in Minnesota (USA) untersuchten die Auswirkungen eines Energydrinks eines bekannten Herstellers (nein, nicht des in der Abbildung gezeigten Herstellers). Sie ließen 25 gesunde, nicht-rauchende und junge Probanden (Durchschnittsalter 29 Jahre) innerhalb von 2 Tagen eine große Dose (480 ml) des Getränks innerhalb von 5 Minuten und ein vergleichbares Getränk ohne die aufputschenden Zusätze trinken.

Folgendes konnte beobachtet werden:

1. Der Blutdruck stieg nach dem Konsum um 6,2% (Systole) und 6,8% (Diastole)

2. Der Noradrenaline-Wert gar um 73,6 %. Dies ist insofern bedenkenswert, da erhöhte Konzentrationen auch bei Krankheitsbildern, wie der Herzinsuffizienz zu finden ist.

Wichtig: diese Studien sollen keine Panik erzeugen und auch niemandem vorschreiben, was er wann und wo trinken soll. Dennoch ist es wichtig, zu wissen, wozu manch synthetisches Getränk führen kann.

Original-Studie: http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=2469194

3 Engel für den Darm – Wie Bakterien den Darm schützen können

BakterienGut-microbiota.pngjeder kennt sie, viele hassen sie. Die Wahrheit ist: die meisten Arten sind gut, ja sogar überlebenswichtig. Nur wenige sind böse, sprich pathogen, verursachen also Krankheiten.  Und sie leben überall, man spricht vom humanen Mikrobiom. Dabei besiedeln sie unsere Haut und auch unseren Darm. Dieser  beherbergt schätzungsweise unglaubliche 1014 bakterielle Zellen und somit zehn mal mehr Zellen als unser Körper besitzt. Und das hat auch seinen Grund:  ohne unsere bakteriellen Darm-Bewohner, der sogenannten intestinalen Mikrobiota (bestehend aus ca. 500 – 1000 verschiedenen Arten), wäre unsere Verdauung ineffektiv. Sie helfen uns allgemein dabei unsere Nahrung zu verdauen (im Zusammenspiel mit körpereigenen Enzymen, wie dem Pepsin) versorgen uns mit Vitaminen, kurzkettigen Fettsäuren und helfen uns auch beim Abbau von körperfremden Stoffen, die uns sonst schaden könnten. Sehr wichtig und wenig bekannt, ist aber der Aspekt der Kolonisationsresistenz. Würde unser Darm nicht von Arten, wie z.B. Lactobacillus rhamnosus GG oder  Bifidobacterium lactis besiedelt, könnten sich pathogene Arten wie Clostridium difficile  oder auch der berühmt-berüchtigte enterohämorraghische Escherichia coli, besser bekannt als EHEC, im Darm festsetzen, sich dort vermehren und zu sehr gefährlichen Erkrankungen bis hin zum Tode führen. Das vorherrschende Gleichgewicht zwischen guten und bösen Bakterien ist also sehr wichtig und somit schützenswert. Und es ist so einzigartig, wie ein Fingerabdruck. Unser Mikrobiom begleitet uns sogar, egal, wo wir hingehen. Ein Durcheinanderwirbeln dieses hochsensiblen Miteinanders kann zu Fettleibigkeit (Adipositas) führen, wie aktuelle Studien zeigen konnten, oder sogar zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Typ 1-Diabetes.

Aufgrund dieses faszinierenden Zusammenspiels und seiner Komplexität, bin ich strikt gegen die unbedachte Verschreibung von Antibiotika. Denn diese bakterien-tötenden oder das Bakterienwachstum hemmenden Moleküle wirken leider nicht gezielt genug, sprich bei einer oralen Antibiotika-Therapie, vor allem beim Einsatz von sogenannten Breitband-Antibiotika, wird auch die für unsere Gesundheit so wichtige Darmflora in Mitleidenschaft gezogen. Stellen Sie sich ein Schleppnetz auf dem Grund des Darmbodens vor, welches einfach alles mitnimmt, was ihm im Weg steht und nur noch eine tote Einöde hinterlässt. Mit teilweise verheerenden Folgen.

Genau hier kommen die berühmten Probiotika ins Spiel. Dazu muss man sich keine teuren Produkte diverser Großkonzerne kaufen, es genügt auch der Verzehr von normalem Joghurt oder Sauerkraut. Nach einer Antibiotika-Therapie kann man seine Darmflora zum Glück in den meisten Fällen wiederherstellen, indem man Produkte verzehrt, die diese guten Bakterien, wie Lactobacillen und Bifidobakterien, enthalten. Wissenschaftler der Universität von Tasmanien gingen nun der Frage nach, ob denn diese Probiotika bei Gabe während einer Antibiotika-Therapie bei Kindern diese vor der Hauptnebenwirkung Durchfall schützen könnten. Dazu führten sie eine placebokontrollierte klinische Studie an 72 Kindern durch und verabreichten 34 jungen Patienten 200 Gramm pro Tag eines probiotischen Joghurts aus dem Handel. Dieser Joghurt enthielt die Bakterienarten Lactobacillus rhamnosus GG (LGG), Bifidobacterium lactis (Bb-12) and Lactobacillus acidophilus, also alles Vertreter der “Guten”.
36 Patienten bekamen einen pasteurisierten Joghurt, also einen Joghurt mit abgetöteten Bakterien (Kontrollgruppe).  Das Ergebnis war oder ist beeindruckend: es trat kein schwerer Durchfall in der Gruppe auf, die den probiotischen Joghurt bekam, wohingegen sechs Kinder der Kontrollgruppe daran erkrankten.

Was ich Ihnen, liebe Leser, damit aufzeigen möchte, ist die wundervolle Wirkung von Bakterien auf unseren Körper, auf unsere Gesundheit und das nicht alle Bakterien böse sind. Daher gilt es sehr gut abzuwägen, wann Antibiotika eingesetzt werden sollten und wann nicht.

Originalpublikation:

Can probiotic yogurt prevent diarrhoea in children on antibiotics? A double-blind, randomised, placebo-controlled study

Neutrophile Granulozyten: Tour-Guides der T-Zellen

Influenza_virus_particle_color.jpgWas passiert eigentlich bei einer Grippe? Nun, kurz gesagt: das Influenza-Virus (und hier bitte ich zwischen einer echten, durch den Influenza-Virus ausgelösten Grippe und dem grippalen Infekt, ausgelöst durch Coronaviren oder Adenoviren, unterscheiden!) gelangt meist durch eine Tröpfeninfektion in unsere Atemwege und schleust sich dort in die Lungenepithelzellen ein. Krank macht uns das Vermehren der Viren (es können bis zu 20000 pro Zelle gebildet werden), weil dabei die Zelle abstirbt. Hinzu kommt natürlich unsere Immunreaktion zur Bekämpfung der virenverseuchten Zellen. Und genau dabei spielen die sogenannten cytotoxischen T-Zellen, oder auch CD8+-T-Zellen, eine sehr wichtige Rolle. Denn sie sind es, die die infizierten Zellen erkennen und dann gezielt abtöten.

Dazu müssen die T-Zellen allerdings an den Ort des Geschehens kommen und genau dabei helfen neutrophile Granulozyten, kurz Neutrophile genannt. Diese speziellen Immunzellen gehören zum sogenannten angeborenen Immunsystem und stellen eine sogenannte “schnelle Eingreiftruppe” dar, die als erste an Ort und Stelle sind. Lim et al. von der Uni Rochester (New York, USA) konnten zum ersten Mal im Tierversuch visualisieren, was und wie genau das Ganze funktioniert. Dazu nutzten sie Immunfluoreszenz-Mikroskope, mit Hilfe derer zuvor mit speziellen Antikörpern angefärbte Zellen und Gewebe, farblich markiert werden können. Das Team konnte zeigen, dass die Neutrophilen unabdingbar sind, um die CD8+-T-Zellen an den Infektionsherd zu lenken.
An Tag drei oder vier sind sie schon vor Ort und legen bei Ihrer Wanderung (auch Migration genannt) molekulare Brotkrumen aus, denen dann die CD8+-T-Zellen folgen (siehe Bild unten), um nach ca. einer Woche auch anzukommen. Diese Brotkrumen bestehen aus dem Chemokin CXCL12, welches dazu in die Membran der Epithelzellen eingelagert wird. Und genau das ist das Erstaunliche, dachte man doch zuvor, dass die Chemokine einfach sekretiert werden und die T-Zellen diesem chemischen Gradienten folgen. Fehlen diese Neutrophilen oder ist kein CXCL12 vorhanden, so sind weniger CD8+-T-Zellen vor Ort, welche auch noch weniger effektiv sind.

Unser Immunsystem ist einfach ein Wunder.

Neutrophilen-Pfad lenkt die virus-spezifische CD8+ T-Zellen-Migration (Kihong Lim et al. Science 2015;349:aaa4352)

Nahrungsmittelallergien. Eine Plage der Neuzeit?

Allergy food

Nahrungsmittelallergien betreffen immer mehr Menschen weltweit. Auch, wenn die Diagnose einer echten Allergie nicht immer leicht ist, so schwanken die Zahlen je nach Studien zwischen 2 und 10 % der globalen Bevölkerung, zumindest in den Industrienationen[1-3]. Wichtig: Nahrungsmittelintoleranzen sind KEINE Allergien, aber dazu gleich mehr.

1. Was genau ist eine Nahrungsmittelallergie und was passiert in unserem Körper?

Nahrungsmittelallergien, wie auch Intoleranzen,  sind durch die European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI)[4] definiert als Nahrungsmittelunverträglichkeiten, jedoch mit folgendem Unterschied:

Allergien sind sogenannte nicht-toxische, also durch kein Gift ausgelöste, und Immunglobulin E  (IgE)-vermittelte immunologische Reaktionen gegen eigentlich harmlose Proteine aus Nahrungsmitteln, wohingegen Nahrungsmittelintoleranzen nicht-toxischem und nicht-immunologischem Ursprung sind.

Sprich: eine Intoleranz ist eine Unverträglichkeitsreaktion unseres Körpers gegen bestimmte Moleküle unserer Nahrung, welche nicht abgebaut werden können (wobei man dann von einer enzymatischen Intoleranz spricht, wie bei der bekannten Laktose-Intoleranz), gegen bestimmte Arzneimittel oder Lebensmittel-zusatzstoffe, welche ebenso nicht verstoffwechselt werden können (was man dann auch Pseudoallergien nennt) und somit zu allergieähnlichen Symptomen führen können.

Lebensmittelallergien gehören zu den sogenannten Typ I-Hypersensitivitätsreaktionen, welche IgE-vermittelte (also durch einen speziellen Antikörper-Typ vermittelte) Immunreaktionen gegen diverse Antigene (dann auch Allergene genannt) darstellen.
Das menschliche Immunsystem kann dabei gegen zahlreiche, absolut harmlose Allergene reagieren. Dazu gehören u.a. tierische Proteine, wie z.B. das Hühner-Eiweiß, auch Ovalbumin genannt, aber auch gegen Bestandteile von Erdnüssen, Fischen usw. Im Prinzip ist eine allergische Reaktion gegen jedwedes Allergen möglich, doch zum Glück nicht so verbreitet.

Folgendes passiert dabei auf zellulärer und molekularer Ebene bei erstmaligem Kontakt mit einem Allergen:
Ein in unseren Darm eingedrungenes Allergen wird durch spezielle Fresszellen (hauptsächlich dendritische Zellen) aufgenommen, prozessiert und in sehr kleinen Stückchen naiven T-Helfer-Zellen angeboten. Diese “schnuppern” wie ein Jagdhund an diesem Allergen-Bruchstück und reifen daraufhin zu sogenannten Th2-Zellen, einem speziellen Typ dieser naiven T-Helfer-Zellen, heran. Diese wiederum aktivieren B-Zellen, die Antikörper-produzierenden Zellen unseres Körpers, indem sie spezielle Botenstoffe produzieren, hauptsächlich das charakteristische Cytokin IL-4.
Dies führt dann schlussendlich zur Produktion besagter IgE-Antikörper, welche im Blut zirkulieren und an spezielle Rezeptoren auf der Oberfläche von basophilen Granulozyten, sowie Mastzellen zu binden. Dieser Prozess wird auch Sensibilisierung genannt.
Kommen wir dann erneut In Kontakt mit dem selben Allergen, bindet das Allergen auf die bereits gebundenen IgE-Antikörper auf der Oberfläche der sensibilisierten Mastzellen. Dabei kann es zur Quervernetzung mehrerer Antikörper-Rezeptor-Komplexe kommen, was schlussendlich zur Ausschüttung von Immunmodulatoren, wie dem berühmten Histamin führt. Und schon juckt und brennt es in den Augen, im Hals oder in der Nase.

2. Was sind die Symptome?

Auch wenn die Symptome natürlich von Mensch zu Mensch variieren können, so kann man doch einige Hauptsymptome herausfiltern, welche sich auch untereinander sehr ähneln:

Nahrungsmittelallergie

   Nahrungsmittelintoleranz

Allergische Rhinitis    Pruritus
Schwellungen der Zunge    Rötung der Haut
Nausea (Übelkeit)    Urtikaria (Nesselsucht)
Erbrechen    Allergische Rhinitis
Diarrhoe
   Nausea (Übelkeit)
seltener: allergisches Asthma, atopisches Ekzem, Pruritus (Juckreiz)    Diarrhoe
in Extremfällen: anaphylaktischer Schock  

3. Wie werden Nahrungsmittelallergien diagnostiziert?

Klassisch per Pricktest (der bekannte Hauttest, bei dem stark verdünnte Allergene in die Haut eingeritzt werden) und dem Antikörpernachweis per Bluttest.

4. Was sind die Ursachen und warum steigt die Zahl der Neuerkrankungen?

Zu den Ursachen und dem Anstieg der Erkranktengibt es momentan einige heiß diskutierte Theorien, da die genau Ursache nicht bekannt ist. Zudem gibt es, meiner Meinung nach, auch nicht DEN einen Auslöser, da viele Erkrankungen multifaktoriell zu sein scheinen. Zu nennen wäre die berühmte Hygiene-Hypothese, dass zu viel Sauberkeit einhergeht mit zu wenig Training unseres Immunsystems. Aber auch allgemeine Begriffe, wie Umwelt- und Luftverschmutzung werden oder ein Mangel an Vitamin D scheinen eine Rolle zu spielen. Erbliche Faktoren können wir in diesem Kontext ebenso nicht außer Acht lassen und ob ein zu früher oder zu später Kontakt mit bestimmten Nahrungsmitteln ein Faktor ist, ist ebenso nicht geklärt, obwohl es sehr interessante Hinweise dazu gibt. Ein bemerkenswertes Beispiel ist der Befund, dass Kinder in US-Städten relativ häufig gegen Meeresfrüchte allergisch sind. Der Theorie nach liegt das daran, dass sie diese nie essen, stattdessen aber über Haut und Lunge mit Kakerlaken in Berührung kommen, die recht ähnliche Antigene haben[5].

6. Was kann man dagegen tun?

Leider nicht viel. Sehr wichtig ist das Vermeiden des Allergens. Die Symptome kann man durch das Verwenden von Antihistaminika- oder Mastzellstabilisator-Präparaten lindern.

7. Wie ist der Stand der Forschung?

Es gibt einige gute Ansätze, wie z.B. die Impfung mit speziellen Impfviren, welche das Allergen der Wahl in unseren Körper bringen[6] oder auch Bakterien[7], welche dahingehend modifiziert wurden, dass sie rekombinante Allergene synthetisieren. Leider steckt alles noch in den Kinderschuhen, da auch noch viel zu wenig über die genauen Ursachen bekannt ist. Der menschliche Darm ist ein Wunder und mit seinem Mikrobiom (einer Ansammlung an schätzungsweise bis zu 1014 Bakterienzellen) unglaublich komplex. Es wartet also noch sehr viel Arbeit auf die Forscherinnen und Forscher dieser Welt.

Quellen:
[1] http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0091674913018368

[2] http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.12305/full

[3] http://jama.jamanetwork.com/article.aspx?articleid=185820

[4] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7503398?dopt=Abstract

[5] http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21872304

[6] http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/all.12192/abstract

[7] https://publikationen.uni-tuebingen.de/xmlui/handle/10900/62399