Antibiotikaresistenzen – Grund zur Panik?

Resistenz

Als Infektionsbiologe liegt mir folgendes Thema besonders am Herzen: die immer weiter zunehmende Verbreitung multiresistenter Keime, wie z.B. den “berühmten” MRSA-Bakterien. Das sind Methicillin- bzw. multiresistente Staphylococcus aureus-Stämme, die besonders stark in Krankenhäusern vorkommen. Zahlen für Deutschland gehen von ca. 132.0001 MRSA-Infektionen pro Jahr aus. Die Zahl der Todesfälle wird dabei auf ca. 40.0002 geschätzt. Aktuell ist ja momentan ein “Ausbruch” im Universitätsklinikum Schleswig-Holstein mit bisher 11 Toten. Ob diese, meist älteren Patienten, tatsächlich an einem gegen 4 Antibiotika-Gruppen resistenten Acinetobacter baumanii-Infekt verstarben, muss noch abschließend geklärt werden. Es gibt sehr viele Bakterien-Arten, die immer resistenter gegen alle möglichen Antibiotika-Klassen werden. Um einige zu nennen:

die eingangs erwähnten Staphylococcus aureus und Acinetobacter baumanii, Klebsiella pneumoniae, Escherichia coli und Enterococcus faecalis3.

Tendenz steigend. Dramatisch wird die Situation durch die immer schwieriger werdende Entwicklung neuer Antibiotika-Klassen.

1. Was sind Antibiotikaresistenzen?

Wie der Name schon impliziert, können Bakterien Resistenzen gegen alle möglichen Arten von Antibiotika erwerben. Diese Resistenzen beruhen auf zufälligen Mutationen in bestimmten Genen der Bakterien, die u.a. dazu führen, dass z.B. ß-Lactam-Antibiotika, wie das berühmte Penicillin nicht mehr an sein Zielprotein binden kann und somit seine Wirkung nicht entfalten kann. Andere Arten der Resistenzen führen zu einem Ausschleusen der Antibiotika, wie im Falle der Tetracycline, mit Hilfe sogenannter Efflux-Pumpen. Dies sind membranständige Proteine, die Moleküle aus der Zelle hinaus transportieren können. Was die Diversität von Resistenz-mechanismen angeht, sind die Bakterien wirklich absolute Meister.

2. Wieso werden Bakterien resistent?

Erster Hauptgrund ist der maßlose Einsatz von Antibiotika in der Tierzucht als sogenannte Leistungsförderer, welche zu einer besseren Aufnahme der Nährstoffe führen. Z.B. indem sie das Verhältnis von Propion-, Essig- und Milchsäure-bildende Bakterien im Pansen von Rindern kontrollieren und somit das Verhältnis dieser Säuren zueinander. Dies wiederum führt zu einer besseren Futterverwertung und somit zu einem Zuwachs an Muskelmasse. Auch in der Geflügelzucht sind Antibiotika so weit verbreitet, dass sie in fast jeder dritten Probe von tiefgekühltem Geflügel nachgewiesen werden konnten4.

Zweiter Hauptgrund ist das zu häufige Verschreiben und die unsachgemäße Anwendung von Antibiotika. Wer Antibiotika verschrieben bekommt, MUSS diese bitte bis zum Schluss nehmen.

Wird dies nicht eingehalten, können einige Millionen Bakterienzellen überleben und durch den ausgeübten Selektionsdruck Resistenzen entwickelt haben. Diese Resistenzen werden auf sogenannten Plasmiden, extrachromosomalen DNA-Abschnitten, kodiert und bei der Konjugation, also dem bakteriellen Sex, an eine plasmidlose Zelle weitergegeben, womit diese ebenfalls resistent wird. Und schon haben wir den Salat.

3. Was kann man dagegen tun?

Bratet bitte euer Fleisch grundsätzlich sehr gut durch und tragt auch beim Hantieren mit dem Fleisch am besten Küchenhandschuhe.

Und bitte bitte bitte nehmt so selten, wie es nur geht, Antibiotika und wenn, dann bitte IMMER bis die Packung leer ist.

Zum Glück tut sich auch etwas auf politischer Ebene, wie immer sehr langsam. Siehe hier: http://www.bmel.de/DE/Tier/Tiergesundheit/Tierarzneimittel/_texte/Antibiotika-Dossier.html;jsessionid=C599BC8A51051B466DC41C456E2A4C85.2_cid376?nn=539690&notFirst=true&docId=2661834

Quellen:


1
http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/7503398?dopt=Abstract

2 Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene

3 https://ars.rki.de/CommonReports/Erregeruebersicht.aspx

4 http://www.sueddeutsche.de/wissen/landwirtschaft-zu-viel-antibiotika-in-der-haehnchenmast-1.1175595

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