3 Engel für den Darm – Wie Bakterien den Darm schützen können

BakterienGut-microbiota.pngjeder kennt sie, viele hassen sie. Die Wahrheit ist: die meisten Arten sind gut, ja sogar überlebenswichtig. Nur wenige sind böse, sprich pathogen, verursachen also Krankheiten.  Und sie leben überall, man spricht vom humanen Mikrobiom. Dabei besiedeln sie unsere Haut und auch unseren Darm. Dieser  beherbergt schätzungsweise unglaubliche 1014 bakterielle Zellen und somit zehn mal mehr Zellen als unser Körper besitzt. Und das hat auch seinen Grund:  ohne unsere bakteriellen Darm-Bewohner, der sogenannten intestinalen Mikrobiota (bestehend aus ca. 500 – 1000 verschiedenen Arten), wäre unsere Verdauung ineffektiv. Sie helfen uns allgemein dabei unsere Nahrung zu verdauen (im Zusammenspiel mit körpereigenen Enzymen, wie dem Pepsin) versorgen uns mit Vitaminen, kurzkettigen Fettsäuren und helfen uns auch beim Abbau von körperfremden Stoffen, die uns sonst schaden könnten. Sehr wichtig und wenig bekannt, ist aber der Aspekt der Kolonisationsresistenz. Würde unser Darm nicht von Arten, wie z.B. Lactobacillus rhamnosus GG oder  Bifidobacterium lactis besiedelt, könnten sich pathogene Arten wie Clostridium difficile  oder auch der berühmt-berüchtigte enterohämorraghische Escherichia coli, besser bekannt als EHEC, im Darm festsetzen, sich dort vermehren und zu sehr gefährlichen Erkrankungen bis hin zum Tode führen. Das vorherrschende Gleichgewicht zwischen guten und bösen Bakterien ist also sehr wichtig und somit schützenswert. Und es ist so einzigartig, wie ein Fingerabdruck. Unser Mikrobiom begleitet uns sogar, egal, wo wir hingehen. Ein Durcheinanderwirbeln dieses hochsensiblen Miteinanders kann zu Fettleibigkeit (Adipositas) führen, wie aktuelle Studien zeigen konnten, oder sogar zu chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen und Typ 1-Diabetes.

Aufgrund dieses faszinierenden Zusammenspiels und seiner Komplexität, bin ich strikt gegen die unbedachte Verschreibung von Antibiotika. Denn diese bakterien-tötenden oder das Bakterienwachstum hemmenden Moleküle wirken leider nicht gezielt genug, sprich bei einer oralen Antibiotika-Therapie, vor allem beim Einsatz von sogenannten Breitband-Antibiotika, wird auch die für unsere Gesundheit so wichtige Darmflora in Mitleidenschaft gezogen. Stellen Sie sich ein Schleppnetz auf dem Grund des Darmbodens vor, welches einfach alles mitnimmt, was ihm im Weg steht und nur noch eine tote Einöde hinterlässt. Mit teilweise verheerenden Folgen.

Genau hier kommen die berühmten Probiotika ins Spiel. Dazu muss man sich keine teuren Produkte diverser Großkonzerne kaufen, es genügt auch der Verzehr von normalem Joghurt oder Sauerkraut. Nach einer Antibiotika-Therapie kann man seine Darmflora zum Glück in den meisten Fällen wiederherstellen, indem man Produkte verzehrt, die diese guten Bakterien, wie Lactobacillen und Bifidobakterien, enthalten. Wissenschaftler der Universität von Tasmanien gingen nun der Frage nach, ob denn diese Probiotika bei Gabe während einer Antibiotika-Therapie bei Kindern diese vor der Hauptnebenwirkung Durchfall schützen könnten. Dazu führten sie eine placebokontrollierte klinische Studie an 72 Kindern durch und verabreichten 34 jungen Patienten 200 Gramm pro Tag eines probiotischen Joghurts aus dem Handel. Dieser Joghurt enthielt die Bakterienarten Lactobacillus rhamnosus GG (LGG), Bifidobacterium lactis (Bb-12) and Lactobacillus acidophilus, also alles Vertreter der “Guten”.
36 Patienten bekamen einen pasteurisierten Joghurt, also einen Joghurt mit abgetöteten Bakterien (Kontrollgruppe).  Das Ergebnis war oder ist beeindruckend: es trat kein schwerer Durchfall in der Gruppe auf, die den probiotischen Joghurt bekam, wohingegen sechs Kinder der Kontrollgruppe daran erkrankten.

Was ich Ihnen, liebe Leser, damit aufzeigen möchte, ist die wundervolle Wirkung von Bakterien auf unseren Körper, auf unsere Gesundheit und das nicht alle Bakterien böse sind. Daher gilt es sehr gut abzuwägen, wann Antibiotika eingesetzt werden sollten und wann nicht.

Originalpublikation:

Can probiotic yogurt prevent diarrhoea in children on antibiotics? A double-blind, randomised, placebo-controlled study

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